Female Perspectives

9.4.2022 auf der Diagonale

Eine Nachschau


Der Andrang war groß und das Interesse, an einem aktiven Austausch und einer Diskussion noch größer:

nachdem die Dokumentarfilmregisseurin Isa Willinger mit ihrer Arbeitsthese, dass Frauen härter Filme machen, über die Arbeit an ihrem Dokumentarfilm „No Mercy. The Female Gaze“ erzählt hat, gab Marie Kreutzer Einblicke in ihren aktuellen Film, der noch in Postproduktion ist. In „Corsage“ geht es um eine mächtige Frau und die Mechanismen, die ihr das Wort verbieten und sie als älter werdende Frau in die Unsichtbarkeit drängen wollen. 

Das erstaunliche an diesem spannenden Panel, moderiert von Djamila Grandits, war, dass sich viele in dem voll besetzen Salon Frühling bewußt wurden: Wir haben die Diskussion über eine feministische Filmsprache und die Frage, welche Filme wollen wir machen und sehen und aus welcher Perspektive wollen wir sie erzählen, noch selten gemeinsam und öffentlich besprochen. Deshalb war das spürbar erst ein Anreißen des Themas.


Im zweiten Panel moderiert von Elisabeth Scharang kam dann alles anders als geplant: nach sieben Minuten schon hoben die ersten im Publikum die Hände. Die Diskussion wurde geöffnet und das hat sich bis zum Schluß durchgezogen. Wer darf was in einem Film spielen? Ausschließend, einschließend - wo wollen wir mit einer Debatte über eine diverse Filmlandschaft hin? Marie Noel, Autorin und Schauspielerin, beeindruckte durch klare Worte über die oft vorgeschobene Beschäftigung von Produktionsfirmen mit dem Thema Diversität: als Sensitivity Reader bekommt sie oft eine Woche vor Drehbeginn ein Drehbuch, um den Stoff auf zb Rassismus & Sexismus zu checken. „Dabei weiß ich, es ist meist egal, was ich sage, gedreht wird ohnedies.“ Salma Abdalla vom Weltvertrieb Autlook brach „schweren Herzens“ eine Lanze für die Streamingdienste, weil dort im Vergleich zu den meisten TV Sendern das Bewusstsein für Diversität und Gleichstellung viel weiter sei, der Produzent Frank Buchs , der ua für Sky Deutschland gearbeitet hat, bestätigt das. Daraufhin begann die Diskussion mit dem Publikum über Schein und Sein: was wird behauptet und was erleben wir in unserem Arbeitsalltag. 


Am Ende luden #dieregisseur*nnen zu einem Glas Wein ein und viele sind noch geblieben. Es war einfach , miteinander ins Gespräch zu kommen, es wurde einander vorgestellt, weitergereicht, gelacht, Contra gegeben und getrunken. Viele haben einander neu kennengelernt und Pläne wurden geschmiedet. Klar war jedenfalls: Wir wollen einen offen Austausch untereinander - und wir wollen davon mehr.- 

Audio Aufzeichnung zum Nachhören